BOLTCAD INSIGHTS › Systematische Produktentwicklung

Siemens NX · CFK / GFK · Schnittstellen · Qualität · Zeit · Kosten

Composite-Strukturen.
Komplexität braucht Systematik.

Wenn Geometrie, Werkstoff, Fertigung und Strukturnachweis eng zusammenhängen, wird jede Änderung zur Teamaufgabe. Eine klare Entwicklungssystematik kann Abstimmungen verkürzen, Nacharbeit reduzieren und technische Entscheidungen nachvollziehbar machen.

Von Dipl.-Ing. Anatoli Bolt · BOLTCAD ENGINEERING · 2. Oktober 2026

BoltCAD: Composite-Struktur als Konzeptillustration mit CAD-Geometrie und den Vorteilen Qualität, Zeit sparen und Kosten senken
Qualität, Zeit und Kosten gemeinsam betrachten. KI-generierte Konzeptillustration; kein reales Kundenbauteil oder geprüfter Strukturnachweis.

Was eine Aerospace-Aufgabe tatsächlich verlangt

Eine typische Entwicklungsanfrage umfasst CFK- und GFK-Bauteile, Rumpf- oder Tragflächenstrukturen, NX-Modelle, Zeichnungen, Fertigungsabstimmung und Integration. Hinter dieser Aufgabenliste steht eine gemeinsame Herausforderung: Viele Fachbereiche müssen mit demselben, eindeutig beschriebenen Konstruktionsstand arbeiten.

CFK bedeutet kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, GFK glasfaserverstärkter Kunststoff. Bei solchen Strukturen hängen Eigenschaften unter anderem von Faserrichtung, Lagenaufbau, Materialsystem und Herstellprozess ab. Eine geometrisch passende CAD-Lösung ist daher ein Teil der Entwicklungsaufgabe. Werkstoff- und Prozessqualifikation sowie der Strukturnachweis gehören ebenso dazu.

Unser Beitrag: NX-Konstruktion mit einer nachvollziehbaren Arbeitsstruktur.

BoltCAD bringt langjährige Siemens-NX- und Produktentwicklungserfahrung ein. Wir verfügen bisher über keine praktische Projekterfahrung in Aerospace-Composite-Strukturen. Ein Einstieg erfolgt deshalb über klar abgegrenzte CAD- und Schnittstellenaufgaben im Team mit erfahrenen Composite-, Berechnungs-, Fertigungs- und Zulassungsspezialisten.

Von der Anforderung zum abgestimmten Modell

Unser vorgeschlagener Ansatz verbindet Anforderungen, Geometrie und Entscheidungen. Die folgenden Schritte werden iterativ bearbeitet: Erkenntnisse aus Berechnung, Fertigung oder Prüfung fließen kontrolliert zurück in das Modell.

  1. Anforderungen klärenFunktion, Bauraum, Lastvorgaben, Gewichtsziel, Fertigungsrandbedingungen und Abnahmekriterien mit Verantwortlichen erfassen.
  2. Schnittstellen festlegenBezüge, Anschlüsse, Kontaktflächen, Freiräume und maßgebende Geometrien mit angrenzenden Baugruppen abstimmen.
  3. NX-Modell strukturierenReferenzgeometrie, Parameter und Abhängigkeiten so aufbauen, dass Varianten und Änderungen nachvollziehbar bleiben.
  4. Fachbereiche einbindenGeometrie, Lagenaufbau, Berechnung und Fertigbarkeit anhand eines gemeinsamen Datenstands prüfen.
  5. Änderungen bewertenBetroffene Teile, Zeichnungen, Berechnungen, Werkzeuge und Prüfunterlagen identifizieren; Entscheidungen dokumentieren.
  6. Stand übergebenCAD, Zeichnungen, offene Punkte und Review-Ergebnisse gemeinsam bereitstellen; Freigaben im Kundenprozess durchführen.

BoltCAD-Arbeitsmodell zur Diskussion im Projekt. Die Grafik beschreibt keine abgeschlossene Composite-Qualifikation oder Zulassung.

Systematik wird durch konkrete Unterlagen wirksam

  • Anforderungsliste: Kennung, Quelle, verantwortliche Person, Prüfmethode und Status.
  • Schnittstellenblatt: Bauteilpartner, Bezugssystem, Geometrieversion, Toleranz und zuständiger Entscheider.
  • Modellierungsregeln: Maßgebende Flächen, Parameter, zulässige Änderungen und vereinbarte Datenübergabe.
  • Änderungsprotokoll: Anlass, betroffene Dokumente, Auswirkungen und erforderliche erneute Prüfungen.
  • Review-Liste: Offene Punkte, Entscheidung, Verantwortlicher und zugehöriger Konstruktionsstand.

Was sich in Siemens NX vorbereiten lässt

Für wiederkehrende Varianten bietet sich ein parametrischer Aufbau an: Eine abgestimmte Referenzgeometrie beschreibt Bauraum und Anschlüsse. Davon werden Bauteilgeometrien und Zeichnungen kontrolliert abgeleitet. Benannte Parameter und klare Modellabhängigkeiten erleichtern es, eine Änderung an ihrer Ursache zu bearbeiten.

Bei Composite-Strukturen muss das Team insbesondere vereinbaren, welche Fläche maßgebend ist und wie die vom Fachteam festgelegte Laminatdicke im geometrischen Modell berücksichtigt wird. Lagenaufbau, Faserrichtungen, Materialdefinitionen und Berechnungsdaten benötigen eindeutige Zuordnungen. Die geeigneten NX-Module, Austauschformate und PDM/PLM-Regeln werden anhand der Kundenumgebung geprüft.

Eine assoziative Modellverbindung aktualisiert Geometrie. Ob nach einer Änderung Berechnungen, Fertigungsunterlagen oder Qualifikationsnachweise erneut bearbeitet werden müssen, entscheidet der zuständige Fachbereich. Automatisierung wird erst nach einem stabilen, überprüften Ablauf sinnvoll.

Beispiel: Eine Anschlussänderung kontrolliert bearbeiten

Angenommen, an einer Composite-Verkleidung verändert sich die Lage eines Anschlusses. Dieses hypothetische Beispiel zeigt, wie sich Systematik praktisch nutzen lässt:

  1. Ausgangspunkt sichernFreigegebenen Modellstand und Änderungsanforderung eindeutig identifizieren.
  2. Auswirkungen erfassenBauraum, Nachbarteile, Befestigung, Laminatbereich, Fertigungszugang und Prüfzugänglichkeit gemeinsam betrachten.
  3. CAD-Variante erstellenAnschlussgeometrie in NX anhand abgestimmter Vorgaben ändern und geometrisch prüfen.
  4. Fachbewertungen einholenComposite- und Berechnungsteam bewerten den lokalen Aufbau und die Tragfähigkeit; Manufacturing bewertet den Prozess.
  5. Dokumente zusammenführenCAD, Zeichnung, Bewertungen und Entscheidung dem gleichen Änderungsstand zuordnen.

Der Nutzen liegt in sichtbaren Abhängigkeiten und klaren Zuständigkeiten. Ein verschobenes CAD-Feature allein belegt noch keine technische Eignung der geänderten Struktur.

Qualität · Zeit · Kosten gemeinsam betrachten

Qualität

Abgestimmte Anforderungen, nachvollziehbare Datenstände und dokumentierte Reviews können widersprüchliche Vorgaben früher sichtbar machen.

Zeit

Klare Schnittstellen und robuste Modellabhängigkeiten können Sucharbeit, Rückfragen und wiederholte Geometriebearbeitung reduzieren.

Kosten

Früh erkannte Auswirkungen können späte Änderungen an Werkzeugen, Bauteilen und Unterlagen vermeiden. Der Aufbauaufwand gehört in die Bewertung.

Die Methode schafft Voraussetzungen für Verbesserungen. Ihr Nutzen hängt von Datenqualität, Aufgabenhäufigkeit und Zusammenarbeit ab. In einem Pilot lassen sich Bearbeitungszeit je Änderung, Zahl der Rückfragen, Nacharbeitsstunden und Vollständigkeit der Übergabe mit einem vergleichbaren Ausgangsfall messen. Eine kürzere CAD-Bearbeitung darf dabei erforderliche Fachprüfungen nicht verkürzen.

Wichtige DIN-Normen und VDI-Richtlinien: eine Orientierung

Die folgende Auswahl ordnet relevante Themen ein. Welche Dokumente und Ausgabestände gelten, wird im konkreten Projekt anhand von Vertrag, Kundenvorgaben, Werkstoffsystem, Fertigungsverfahren und Zulassungsbasis festgelegt. Die Übersicht basiert auf öffentlich zugänglichen Kataloginformationen; für die Anwendung sind die vollständigen Dokumente erforderlich.

Entwicklungsmethodik

VDI 2221 Blatt 1:2019-11

Methodisches Entwickeln technischer Produkte und Systeme.

Bezug zur Systematik: Orientierung für das Strukturieren von Aufgaben, Lösungsentwicklung und Ergebnissen. Unsere Darstellung ist ein eigener Arbeitsvorschlag; sie ist kein Nachweis einer vollständigen Richtlinienumsetzung.

Qualitätsmanagement

DIN EN 9100:2018-08

Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme in Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.

Bezug zur Systematik: Den vereinbarten Kundenprozess für Dokumentation, Zuständigkeiten und Änderungen berücksichtigen. Die Nennung bedeutet keine EN-9100-Zertifizierung von BoltCAD und ersetzt keine Lufttüchtigkeitsnachweise.

Erstmusterprüfung

DIN EN 9102:2025-01

Durchführung und Dokumentation der Erstmusterprüfung (First Article Inspection, FAI).

Bezug zur Systematik: Prüfrelevante Zeichnungsmerkmale und Konstruktionsstände nachvollziehbar bereitstellen. Eine FAI ist kein Ersatz für den Nachweis der strukturellen Eignung.

Geometrische Produktspezifikation

DIN EN ISO 1101:2017-09

Regeln zur geometrischen Tolerierung von Form, Richtung, Ort und Lauf.

Bezug zur Systematik: Funktionsgerechte geometrische Anforderungen eindeutig kommunizieren; zusammen mit dem im Projekt festgelegten GPS-Regelwerk anwenden.

Nicht-formstabile Teile

DIN EN ISO 10579:2013-11

Bemaßung und Tolerierung nicht-formstabiler Teile.

Bezug zur Systematik: Bei entsprechend nachgiebigen Teilen den Zustand für Spezifikation und Prüfung abstimmen. Anwendbarkeit anhand des konkreten Bauteils prüfen.

Werkstoffprüfung: Zug

DIN EN ISO 527-4:2023-07

Zugprüfbedingungen für isotrop und anisotrop faserverstärkte Kunststoffverbundwerkstoffe.

Bezug zur Systematik: Das Werkstoff- und Prüffachteam legt die geeignete Prüfung fest. CAD, Materialdefinition und Kennwertquelle eindeutig zuordnen.

Werkstoffprüfung: unidirektionaler Verbund

DIN EN ISO 527-5:2022-05

Zugprüfbedingungen für unidirektional faserverstärkte Kunststoffverbundwerkstoffe.

Bezug zur Systematik: Die Faserrichtung gehört zur Kennwertinterpretation. Ein einzelner Prüfwert ist keine allgemeine Freigabe für beliebige Laminataufbauten.

Werkstoffprüfung: Druck

DIN EN ISO 14126:2024-03

Bestimmung von Druckeigenschaften faserverstärkter Kunststoffverbundwerkstoffe in der Laminatebene.

Bezug zur Systematik: Prüfdaten, Materialsystem und Herstellzustand nachvollziehbar verknüpfen. Weitere Nachweise werden aus der konkreten Strukturaufgabe abgeleitet.

Recherche: 2. Oktober 2026. Die verlinkten DIN-Media-Seiten dokumentieren die genannten Ausgaben. Vertragsbezogene Ausgabe und Änderungen vor Projektbeginn gesondert prüfen. Die Auswahl ist kein vollständiges Normen- oder Prüfprogramm.

Luftfahrt-Richtlinien und Zulassungsbasis getrennt behandeln

Für ein Luftfahrzeug bestimmen die anwendbare Zulassungsbasis und der verantwortliche Entwicklungsbetrieb den Nachweisrahmen. Je nach Luftfahrzeugklasse können beispielsweise EASA CS-23, CS-25, CS-27 oder CS-29 relevant sein. Die Einordnung kann daher nicht allein aus dem Begriff „Aerospace“ abgeleitet werden.

EASA · Acceptable Means of Compliance

AMC 20-29 · Composite Aircraft Structure

Beschreibt einen anerkannten Weg zum Nachweis der Lufttüchtigkeit von Composite-Flugzeugstrukturen. Behandelt unter anderem Werkstoffe, Fertigung, strukturelle Nachweise und instandhaltungsbezogene Aspekte.

Bezug zur Systematik: Material- und Prozessdefinitionen, Prüfungen und Konstruktionsstände müssen zusammenpassen. Welche Nachweise erforderlich sind und wie sie akzeptiert werden, wird im zuständigen Zulassungsprozess festgelegt. AMC beschreibt einen möglichen Nachweisweg, keine eigenständige Zulassung.

Materialproben nach einer Prüfnorm liefern Daten für bestimmte Bedingungen. Sie ersetzen weder ein abgestimmtes Qualifikationsprogramm noch die erforderlichen Nachweise auf Bauteil- und Strukturebene. Je nach Anwendung sind beispielsweise Umwelteinflüsse, Schäden, Ermüdung, Verbindungen und Fertigungseinflüsse zusätzlich zu bewerten.

Eine klare Arbeitsteilung macht den Einstieg tragfähig

Vorgeschlagene Rollen – im Projekt ausdrücklich zu vereinbaren
ArbeitspaketMöglicher BoltCAD-BeitragErforderliche Fachverantwortung
Anforderungen und SchnittstellenInformationen strukturieren, geometrische Bezüge dokumentieren, offene Punkte koordinierenKunde und jeweilige Systemverantwortliche definieren und bestätigen Anforderungen
NX-Geometrie und ZeichnungenParametrische Modelle, Varianten und geometrische Dokumentation nach abgestimmten Vorgaben bearbeitenErfahrenes Composite-Team prüft die werkstoff- und fertigungsgerechte Ausführung
Laminat, Sandwich und VerbindungenFreigegebene Vorgaben geometrisch umsetzen und Änderungen nachvollziehbar haltenComposite-/Werkstoff-/Fertigungsfachteam legt Aufbau und Prozesse fest
Festigkeit und strukturelle NachweiseVereinbarte Geometrie und Konstruktionsstände für Berechnung bereitstellenQualifizierte Berechnungs- und Nachweisverantwortliche
Qualifikation und FreigabeCAD-Unterlagen, Änderungsstände und Review-Dokumentation zuliefernVerantwortliche Entwicklungs-, Qualitäts- und Zulassungsorganisation

Ein sinnvoller erster Schritt: ein begrenzter CAD-Pilot

Ein geeigneter Einstieg könnte eine Geometrievariante oder eine Schnittstellenänderung an einem vom Kunden ausgewählten Bauteil sein. Vor Beginn werden Vorlagen, fachliche Vorgaben, Ansprechpartner und Prüfumfang vereinbart. Die Aufgabe muss zur verfügbaren Erfahrung und zur Betreuung durch das Fachteam passen.

  • Eingang: Referenzmodell, freigegebene Vorgaben, kundenseitige Modellierungsregeln und klar beschriebene Änderung.
  • Ergebnis: NX-Modell, vereinbarte Zeichnungsunterlagen, Schnittstellenübersicht und dokumentierte offene Punkte.
  • Abnahme: Geometrie- und Datenprüfung sowie fachlicher Review im Kundenprozess.
  • Nutzenprüfung: Aufwand, Rückfragen und Nacharbeit mit dem Ausgangsprozess vergleichen.
Die ursprüngliche Anfrage braucht einen erfahrenen Composite-Konstrukteur.

Systematik allein erfüllt diese Erfahrungsanforderung nicht. Sie kann jedoch einen wertvollen ergänzenden Beitrag schaffen: klare CAD-Arbeitspakete, kontrollierte Schnittstellen und nachvollziehbare Änderungen unter Führung des erfahrenen Fachteams.

Häufige Fragen

Übernimmt BoltCAD die vollständige Composite-Auslegung?

Der hier beschriebene Einstieg betrifft abgegrenzte NX- und Schnittstellenaufgaben. Laminatauslegung, Werkstoffqualifikation, strukturelle Nachweise und Zulassung benötigen entsprechend erfahrene Fachverantwortliche.

Sind alle genannten Normen verbindlich?

Die Übersicht ist eine thematische Auswahl. Verbindlichkeit und Ausgabestand werden aus dem konkreten Vertrag, Kundenprozess und Nachweisrahmen bestimmt.

Wie wird daraus ein Innovationsprojekt?

Wenn der Pilot ein wiederkehrendes Problem belegt, lässt sich daraus eine Entwicklungsfrage ableiten: etwa eine bessere geometrische Datenübergabe oder eine automatische Erkennung betroffener Schnittstellen. Neuheitsgrad, technische Unsicherheit und messbarer Nutzen werden anschließend gesondert untersucht.

Wie starten wir mit vertraulichen Daten?

Zunächst genügt eine allgemeine Aufgabenbeschreibung. Vor dem Austausch geschützter CAD-Daten werden Geheimhaltung, Zugriffsrechte und der Arbeitsumfang vereinbart.

Quellen und fachliche Einordnung

Die offiziellen DIN-Media-Katalogseiten und die EASA-Veröffentlichung sind direkt bei den jeweiligen Dokumenten verlinkt. Die Anwendungshinweise und der vorgeschlagene BoltCAD-Ablauf sind unsere methodische Einordnung. Sie sind keine Wiedergabe vollständiger Normtexte und kein Nachweis bereits durchgeführter Aerospace-Projekte.

Klare Anforderungen.
Nachvollziehbare Änderungen.

Welche CAD- oder Schnittstellenaufgabe soll Ihr Fachteam entlasten? Wir prüfen gemeinsam, wo BoltCADs NX-Erfahrung und systematische Arbeitsweise sinnvoll eingesetzt werden können.

CAD-Arbeitspaket anfragen