Was wir unter „Digitaler Nullserie“ verstehen
In klassischen Entwicklungsabläufen werden viele Schwachstellen erst sichtbar, wenn bereits ein physischer Prototyp existiert. Dann sind Geometrie, Schnittstellen und andere Entscheidungen oft weit fortgeschritten. Mit der BOLTCAD Digitalen Nullserie verschieben wir einen Teil dieser Lernschleifen nach vorne: Anforderungen strukturieren, Funktionen verstehen, technische Widersprüche untersuchen, Varianten entwickeln und kritische Eigenschaften virtuell bewerten.
Unser Grundgedanke: Nicht möglichst schnell den ersten Prototyp bauen – sondern möglichst früh die richtigen technischen Entscheidungen treffen.
Warum „Digitale Nullserie“?
Eine klassische Nullserie steht für einen hohen Reifegrad kurz vor dem Serienanlauf. BOLTCAD überträgt diese Denkweise bewusst auf die frühe digitale Produktentwicklung: Wie viel können wir bereits digital verstehen, vergleichen, absichern und optimieren, bevor wir physisch iterieren?
Die Digitale Nullserie ist kein einzelnes Softwaremodul und kein Ersatz für reale Tests. Sie ist ein von BOLTCAD entwickeltes Vorgehensmodell, das bewährte Engineering-Methoden in einer klaren Entscheidungslogik verbindet.
Die acht Bausteine
| Schritt | Aufgabe | Ziel |
| 01 Anforderungen | Ziele, Randbedingungen, Schnittstellen und offene Punkte strukturieren | Aufgabe eindeutig verstehen |
| 02 Funktion | System, Teilfunktionen und Wirkzusammenhänge analysieren | Kritische Funktionen erkennen |
| 03 TRIZ & Ideen | Widersprüche untersuchen und Lösungsraum erweitern | Nicht zu früh auf eine Lösung festlegen |
| 04 Varianten | Lösungsprinzipien kombinieren und bewerten | Konzeptentscheidung fundieren |
| 05 3D-CAD | Konzepte konstruktiv konkretisieren | Geometrie und Schnittstellen beherrschbar machen |
| 06 Risiken | Annahmen und technische Unsicherheiten sichtbar machen | Kritische Fragen priorisieren |
| 07 Simulation | FEM, CFD, Optik oder Parameterstudien einsetzen | Varianten virtuell absichern |
| 08 Optimierung & Validierung | Erkenntnisse zurückführen und gezielt physisch testen | Mit weniger Iterationen zum höheren Reifegrad |
Was daran anders ist als „erst CAD, dann FEM“?
Simulation wird häufig erst eingesetzt, wenn die Konstruktion weitgehend fertig ist. Dann dient sie vor allem als Nachweis. In der Digitalen Nullserie wird sie früher zum Entwicklungswerkzeug. Schwache Varianten können verändert oder verworfen werden, solange Änderungen noch vergleichsweise einfach sind.
Was die Digitale Nullserie nicht verspricht
Physische Prototypen und reale Versuche bleiben wichtig. Nicht alle Material-, Montage-, Reibungs-, Alterungs-, Haptik- oder Fertigungseffekte lassen sich wirtschaftlich vollständig digital abbilden. Ziel ist daher nicht „keine Prototypen mehr“, sondern weniger unnötige Iterationen und gezieltere Prototypen.
Dazu passt unser INSIGHT FEM oder Prototypentest?.
Für welche Projekte ist das besonders interessant?
- Neue Produktideen mit mehreren möglichen Lösungsprinzipien
- Technische Zielkonflikte und festgefahrene Entwicklungsprojekte
- Teure oder zeitaufwendige physische Prototypen
- Produkte mit kritischen mechanischen, thermischen, strömungs- oder lichttechnischen Funktionen
- Projekte mit vielen Varianten und Einflussparametern
- Entwicklungen, bei denen Konstruktion, Simulation und Validierung eng gekoppelt werden sollen
Ein möglicher Projektablauf
M1 – Aufgaben- und Risikoanalyse: Unterlagen analysieren, Anforderungen strukturieren, Funktionen und Risiken identifizieren.
M2 – Lösungsraum: TRIZ, Funktionsanalyse und systematische Variantenentwicklung einsetzen.
M3 – Digitale Konstruktion: ausgewählte Konzepte in Siemens NX oder projektspezifischem CAD konkretisieren.
M4 – Virtuelle Absicherung: kritische Eigenschaften mit geeigneten CAE-Methoden untersuchen und optimieren.
M5 – Gezielter Funktionsprototyp: nur die verbleibenden relevanten Unsicherheiten physisch testen.
M6 – Rückführung: Versuch, Modell und Konstruktion abgleichen und nächsten Reifegrad ableiten.
Die Methoden hinter dem Konzept
Der Mehrwert entsteht nicht aus einer einzelnen Software, sondern aus der systematischen Kombination von Funktionsanalyse, TRIZ, Variantenentwicklung, Siemens NX, FEM/ANSYS, CFD, optischer Simulation, Parameterstudien, ISO GPS und gezielter physischer Validierung.
BOLTCAD Digitale Nullserie = Methode, nicht Software. Möglichst viele kritische Entscheidungen sollen getroffen werden, solange Änderungen noch schnell und wirtschaftlich möglich sind.
Vertiefende BOLTCAD INSIGHTS
Durchgängige Produktentwicklung: Produktentwicklung, Konstruktion, CAE & Simulation und ISO GPS.
BOLTCAD ENGINEERING · Hilden bei DüsseldorfWir entwickeln und erproben die Digitale Nullserie als BOLTCAD-Vorgehensmodell für technische Produktentwicklung. Je nach Projekt kann der Prozess vollständig oder modular eingesetzt werden.