Was bedeutet „Produktentwicklung extern vergeben“?
Externe Produktentwicklung bedeutet nicht zwangsläufig, die gesamte technische Verantwortung aus dem Unternehmen herauszugeben. Häufig ist eine Aufteilung sinnvoll: Der Kunde definiert Markt, Produktziel, Anforderungen und zentrale Entscheidungen; ein externer Engineering-Partner übernimmt klar abgegrenzte technische Entwicklungsleistungen.
Das kann nur eine Konzeptphase sein – oder ein zusammenhängender Weg bis zu einem physischen Funktionsprototyp.
Der Kunde muss nicht jede technische Disziplin selbst vorhalten.
Entscheidend ist, dass Anforderungen, Schnittstellen, Entscheidungen und Ergebnisse über die Entwicklungsphasen hinweg sauber miteinander verbunden bleiben.
Ein möglicher Entwicklungsprozess in 7 Meilensteinen
M1 · Anforderungen, Funktionen und technische RisikenVorhandene Unterlagen analysieren, Produktziel verstehen, Funktionen strukturieren, kritische Schnittstellen und technische Risiken identifizieren.
M2 · Konzept- und LösungsvariantenAlternative Wirkprinzipien und technische Konzepte entwickeln, vergleichen und anhand definierter Kriterien bewerten.
M3 · Konstruktive AusarbeitungDas ausgewählte Konzept in 3D-CAD überführen, Bauraum, Schnittstellen, Montage, Werkstoffe und Fertigung berücksichtigen.
M4 · Berechnung und technische AbsicherungKritische Lastfälle, Verformungen oder andere relevante Fragestellungen bei Bedarf analytisch oder mit FEM/ANSYS untersuchen.
M5 · FunktionsprototypEinen gezielten Prototyp definieren und aufbauen, der die wichtigsten noch offenen technischen Fragen beantwortet.
M6 · OptimierungVersuchsergebnisse zurück in die Konstruktion führen, Schwachstellen beseitigen und relevante Varianten erneut bewerten.
M7 · Fertigungsdefinition3D-Daten, Zeichnungen, ISO GPS, Stücklisten und weitere Unterlagen für die nächste Fertigungs- oder Industrialisierungsstufe vorbereiten.
Warum die Konzeptphase wirtschaftlich entscheidend ist
Ein häufiger Fehler ist, zu früh detailliert zu konstruieren. Sobald viele CAD-Stunden, Zeichnungen oder sogar erste Fertigungskosten in einem Konzept stecken, wird ein Wechsel des Wirkprinzips psychologisch und wirtschaftlich schwieriger.
Deshalb sollte die frühe Phase bewusst mehrere Lösungsrichtungen zulassen. Bei schwierigen Aufgaben können Funktionsanalyse und TRIZ helfen, technische Widersprüche zu erkennen und den Lösungsraum systematischer zu erweitern.
Meilensteine reduzieren das Risiko für beide Seiten
Ein Entwicklungsprojekt muss nicht von Anfang an als großer Gesamtauftrag vergeben werden. Gerade bei neuen Produkten oder technisch unsicheren Aufgaben ist eine schrittweise Beauftragung sinnvoll.
| Nach einem Meilenstein | Mögliche Entscheidung |
| Analyse / Machbarkeit | Projekt fortsetzen, Anforderungen ändern oder stoppen. |
| Konzeptphase | eine Variante auswählen oder weitere Prinzipien untersuchen. |
| CAD-Vorentwicklung | Konstruktion freigeben oder kritische Bereiche überarbeiten. |
| FEM / Berechnung | Geometrie optimieren oder Prototyp gezielter planen. |
| Funktionsprototyp | Erkenntnisse übernehmen und nächste Entwicklungsstufe freigeben. |
Damit kauft der Kunde nicht sofort „die komplette Entwicklung“, sondern jeweils den nächsten belastbaren Erkenntnis- und Entwicklungsstand.
CAD ist ein Werkzeug – nicht das eigentliche Entwicklungsergebnis
Ein detailliertes 3D-Modell kann technisch beeindruckend aussehen und trotzdem auf einem ungeeigneten Wirkprinzip beruhen. Gute Produktentwicklung verbindet deshalb Konstruktion mit Funktionsverständnis, Fertigung, Montage, Berechnung und Versuch.
Siemens NX oder SolidWorks bilden die technische Lösung ab. Die entscheidende Arbeit liegt jedoch darin, die richtige Lösung zu finden, ihre Risiken zu verstehen und sie so zu konkretisieren, dass sie real hergestellt und getestet werden kann.
Ein Entwicklungsprojekt ist nicht fertig, wenn das CAD-Modell fertig ist.
Es ist einen entscheidenden Schritt weiter, wenn die wesentlichen technischen Annahmen durch Berechnung, Versuch oder reale Funktion abgesichert wurden.
FEM dort einsetzen, wo sie eine Entscheidung verbessert
Simulation ist besonders wertvoll, wenn sie konkrete Entwicklungsfragen beantwortet: Ist ein Bauteil ausreichend steif? Wo entstehen kritische Spannungen? Welche Geometrievariante ist günstiger? Welche Bereiche sollten im Versuch besonders beobachtet werden?
Die Berechnung sollte deshalb nicht als nachträglicher „Nachweis“ betrachtet werden, sondern kann bereits während der Konstruktion als Entwicklungswerkzeug eingesetzt werden.
Der Funktionsprototyp muss nicht seriennah aussehen
Ein früher Prototyp sollte vor allem Erkenntnis erzeugen. Gehäuse können gedruckt, belastete Komponenten gefräst, Normteile integriert und nicht relevante Funktionen vereinfacht werden.
Erst wenn das Wirkprinzip ausreichend bestätigt ist, lohnt sich der Übergang zu seriennäheren Materialien, Toleranzen, Oberflächen und Herstellverfahren.
Welche Aufgaben sollte der Kunde selbst behalten?
Auch bei weitgehend externer Entwicklung bleiben zentrale Entscheidungen sinnvollerweise beim Auftraggeber: Produktstrategie, Marktanforderungen, Budget, regulatorische Rahmenbedingungen, finale Freigaben und unternehmensspezifisches Kernwissen.
Der externe Partner sollte diese Verantwortung nicht ersetzen, sondern die technische Umsetzung so vorbereiten, dass Entscheidungen auf belastbaren Informationen beruhen.
Was braucht ein externer Entwicklungspartner zum Start?
Ein perfektes Lastenheft ist nicht zwingend notwendig. Für eine erste Einschätzung reichen häufig Produktidee bzw. Problemstellung, gewünschte Hauptfunktion, vorhandene Skizzen oder CAD-Daten, bekannte Randbedingungen und das gewünschte nächste Ergebnis.
Offene Anforderungen können im ersten Meilenstein strukturiert werden. Vertrauliche Informationen sollten erst nach einer geeigneten Vertraulichkeitsvereinbarung ausgetauscht werden.
Wann externe Produktentwicklung besonders sinnvoll sein kann
Typische Situationen sind interne Kapazitätsengpässe, fehlende Spezialkompetenzen, ein neues Produkt außerhalb des Tagesgeschäfts, ein festgefahrenes Entwicklungsprojekt oder eine Idee, für die zunächst ein belastbarer Funktionsnachweis benötigt wird.
Auch größere Unternehmen können einzelne Produktmodule oder Entwicklungsphasen auslagern, während Systemverantwortung und Kerntechnologie intern bleiben.
Vom Engineering-Paket zum Entwicklungspartner
Eine Zusammenarbeit kann bewusst klein beginnen: technische Analyse, Konzeptworkshop, eine Baugruppe oder ein Funktionsprototyp. Wenn Arbeitsweise und Ergebnisse passen, können anschließend weitere Entwicklungsstufen übernommen werden.
Damit entsteht keine unnötige Abhängigkeit zu Projektbeginn. Der Kunde kann nach jedem wichtigen Meilenstein neu entscheiden.
Weiterführend: Für die nächste Entscheidung passen auch Vom CAD-Modell zum Funktionsprototyp: 3D-Druck, CNC oder klassischer Musterbau? und FEM vor dem nächsten Prototyp: Welche Risiken lassen sich virtuell früher erkennen?. Die passende BOLTCAD-Leistung finden Sie unter Produktentwicklung.
Produktentwicklung bei BOLTCAD ENGINEERING
BOLTCAD verbindet Produktentwicklung und Konstruktion mit Siemens NX, SolidWorks, Funktionsanalyse/TRIZ, FEM/ANSYS, ISO GPS, 3D-Druck und Prototyping. Dadurch können einzelne Arbeitspakete oder zusammenhängende Entwicklungsphasen von der Idee bis zum funktionsfähigen Prototyp bearbeitet werden – aus Hilden bei Düsseldorf für NRW und deutschlandweit.