„Wir arbeiten beide mit NX“ reicht als Schnittstellendefinition nicht
Siemens NX kann in Unternehmen sehr unterschiedlich eingesetzt werden. Modellierungsrichtlinien, Baugruppenstrukturen, Zeichnungsvorlagen, Attribute, Benennungen und Freigabeprozesse unterscheiden sich teilweise erheblich. Hinzu kommt bei vielen Unternehmen Teamcenter als zentrale Umgebung für Produktdaten, Revisionen und Workflows.
Deshalb sollte eine externe Zusammenarbeit nicht erst bei der finalen Datenübergabe klären, wie die Daten intern weiterverwendet werden sollen.
Die wichtigste Übergabe findet nicht am Projektende statt.
Sie findet am Projektanfang statt – wenn festgelegt wird, in welcher Struktur, Version und Qualität die Daten später zurückkommen müssen.
8 Punkte, die vor dem Start geklärt werden sollten
1. NX-Version und SoftwareumgebungWelche Siemens-NX-Version wird eingesetzt? Gibt es kundenspezifische Zusatzmodule, Bibliotheken, Templates oder besondere Einstellungen?
2. Native Daten oder neutrale Schnittstelle?Wenn die Modelle intern weiterbearbeitet werden sollen, sind native NX-Daten häufig entscheidend. STEP oder andere neutrale Formate erfüllen einen anderen Zweck und verlieren Modellierungsinformationen.
3. Baugruppen- und ModellierungsstrukturWie sollen Baugruppen, Einzelteile, Referenzen und Abhängigkeiten aufgebaut sein? Welche Modellierungsregeln müssen eingehalten werden?
4. Teamcenter- bzw. PDM-ProzessArbeitet der externe Partner direkt im Kundensystem oder erfolgt ein kontrollierter Datenaustausch? Wer legt Items, Revisionen oder andere benötigte Strukturen an?
5. Benennung, Attribute und MetadatenTeilenummern, Benennungen, Werkstoffe, Statusinformationen und kundenspezifische Attribute sollten früh definiert sein.
6. Zeichnungen und ISO GPSWelche Zeichnungsvorlagen, Normen, Tolerierungsregeln und Freigabeanforderungen gelten? Sind nur 3D-Modelle oder vollständige Fertigungsunterlagen Bestandteil des Pakets?
7. Reviews und FreigabenWer darf technische Richtungen freigeben? Welche Zwischenstände werden geprüft und wann gilt ein Datenstand als verbindlich?
8. Finale Übergabe und ÄnderbarkeitWelche Dateien, Strukturen und Dokumentationen müssen am Ende vorliegen, damit das interne Team ohne unnötige Nacharbeit weiterarbeiten kann?
Direkt in Teamcenter arbeiten oder Datenpakete austauschen?
Beide Modelle können funktionieren. Bei längeren Projekten, vielen Abhängigkeiten oder häufigen Änderungen kann ein direkter Zugriff auf die kundenseitige Entwicklungsumgebung Vorteile haben. Der externe Konstrukteur arbeitet dann näher am aktuellen Datenstand und an den etablierten Prozessen.
Für klar abgegrenzte Arbeitspakete kann dagegen ein kontrollierter Austausch definierter Datenstände effizienter sein. Wichtig ist dann, dass Ausgangsstand, Änderungsstand und Rücklieferung eindeutig dokumentiert sind.
| Direkte Arbeit im Kundensystem | Abgegrenzter Datenaustausch |
| gut bei vielen laufenden Abhängigkeiten | gut bei klar abgegrenzten Baugruppen |
| aktueller Datenstand unmittelbar verfügbar | weniger Systemzugriffe erforderlich |
| kundenspezifische Workflows direkt nutzbar | eindeutiger Ein- und Ausgangsstand wichtig |
| mehr Onboarding und Berechtigungen nötig | Änderungen parallel laufender Bereiche müssen koordiniert werden |
Warum native NX-Daten mehr sind als Geometrie
Ein STEP-Modell kann die Geometrie eines Bauteils sehr zuverlässig übertragen. Für spätere konstruktive Änderungen fehlen jedoch häufig die ursprüngliche Feature-Struktur, Parameter, Beziehungen und die vom Konstrukteur beabsichtigte Modelllogik.
Bei langfristig weiterzuentwickelnden Produkten sollte deshalb nicht nur gefragt werden, ob die Geometrie stimmt. Wichtig ist auch, ob das Modell für spätere Änderungen sinnvoll aufgebaut wurde.
Modellierungsstrategie beeinflusst spätere Änderungskosten
Ein Modell kann heute korrekt aussehen und bei der nächsten Variante trotzdem unnötig aufwendig werden. Gerade bei Produktfamilien, parametrischen Bauteilen oder wiederkehrenden Varianten lohnt sich eine Modellierungsstrategie, die erwartete Änderungen berücksichtigt.
Das bedeutet nicht, jedes Modell maximal komplex zu parametrisieren. Ziel ist vielmehr eine robuste Struktur, bei der die wichtigen konstruktiven Zusammenhänge verständlich und kontrollierbar bleiben.
Ein gutes NX-Modell ist nicht nur geometrisch richtig.
Es sollte auch beim nächsten Änderungsstand für einen anderen Konstrukteur nachvollziehbar und beherrschbar bleiben.
Teamcenter ist nicht nur ein Dateiablageort
In einer Teamcenter-Umgebung können Produktdaten mit Items, Revisionen, Beziehungen, Status und Freigabeprozessen verknüpft sein. Deshalb muss bei externer Bearbeitung verstanden werden, welche Informationen zum eigentlichen technischen Lieferumfang gehören.
Ein sauber konstruiertes Bauteil kann trotzdem zusätzliche Nacharbeit erzeugen, wenn Benennung, Revision, Attribute oder Struktur nicht zur kundenseitigen Umgebung passen.
Paralleländerungen sind ein besonderes Risiko
Während ein externes Team an einer Baugruppe arbeitet, entwickelt sich das Gesamtprodukt häufig weiter. Schnittstellen können geändert, Nachbarbauteile verschoben oder neue Anforderungen eingeführt werden.
Deshalb sollte definiert werden, wie mit Paralleländerungen umgegangen wird: Welche Daten bilden die Basis? Wer informiert über relevante Änderungen? Wann wird ein neuer Stand übernommen? Wer entscheidet bei Konflikten?
Reviews sollten nicht nur Screenshots prüfen
Ein technischer Review sollte neben der sichtbaren Geometrie auch die relevanten Konstruktionsentscheidungen betrachten: Schnittstellen, Bewegungsräume, Fertigung, Montage, Modellstruktur, offene Punkte und gegebenenfalls Zeichnungsanforderungen.
Bei größeren Paketen kann ein Zwischenreview sehr viel wirtschaftlicher sein als eine umfangreiche Korrekturrunde nach der finalen Übergabe.
Datensicherheit und NDA gehören vor den Datenaustausch
Native CAD-Daten können einen erheblichen Teil des Produktwissens eines Unternehmens enthalten. Vor dem Austausch vertraulicher Entwicklungsdaten sollten deshalb NDA, Zugriffswege, Berechtigungen und gegebenenfalls kundenspezifische Sicherheitsanforderungen geklärt sein.
Für eine erste technische Anfrage sind meist noch keine vollständigen Produktdaten erforderlich. Nach der Vertraulichkeitsvereinbarung kann der relevante Datenumfang gezielt bereitgestellt werden.
Ein kleines NX-Arbeitspaket ist ein guter Praxistest
Bei einer neuen Zusammenarbeit kann eine klar abgegrenzte Baugruppe oder ein überschaubares Änderungs- bzw. Zeichnungspaket sinnvoll sein. Damit lässt sich nicht nur die reine CAD-Geschwindigkeit bewerten, sondern auch Datenqualität, Kommunikation, Einhaltung von Standards und Qualität der Übergabe.
Wenn dieser Prozess funktioniert, können anschließend größere Arbeitspakete oder mehrere parallele Baugruppen übernommen werden.
Weiterführend: Für die nächste Entscheidung passen auch Siemens NX Dienstleister gesucht? 10 Punkte, die Unternehmen vor der Vergabe eines NX-Konstruktionsauftrags prüfen sollten und Baugruppe extern konstruieren lassen: So definieren Sie ein Engineering-Arbeitspaket. Die passende BOLTCAD-Leistung finden Sie unter Siemens NX Konstruktion.
Siemens NX Engineering bei BOLTCAD
BOLTCAD ENGINEERING arbeitet mit Siemens NX als zentralem CAD-System und unterstützt bei Produktentwicklung, Baugruppen, Varianten, Freiformflächen, Zeichnungen und ISO GPS. Erfahrung mit Teamcenter/PDM-geprägten Entwicklungsumgebungen ermöglicht die Einbindung in bestehende Kundenprozesse oder die Bearbeitung klar abgegrenzter Engineering-Arbeitspakete. Ergänzend stehen FEM/ANSYS, technische Problemlösung und Prototyping zur Verfügung.